Deutscher Rittertag auf
Burg Falkenfels zue Strupinga
vom 28.- 30. Tag im Herbstmond
a. D. 1900 und 90 dazue
  
  
     
Deutscher Rittertag 1900 und dazue 90 peilt hohe Ideale an
Als Elite gegen die Raubmord-Zivilisation
350 Recken aus deutschen und Österreichs Gauen waren mit starken Fähnelein zur Ehr der Rittersach angesprengt
  
  
„Wacker allzeit! - Allzeit wacker!“ Die hohen Ideale des Rittertums zu preisen und sie zu feiern, das eigene Tun zu hinterfragen und zu bejahen, zu diesem Anlaß hatten sich 350 Ritter mitsamt Burgfrauen und Troß aus deutschen und österreichischen Landen gerüstet und waren gen Strupinga gesprenget. Zum Deutschen Rittertag im Herbstmond der Jahrung 1900 und dazue 90 hatte die Bundesleitung in die altehrwürdige Herzogsstadt an der Donau eingeladen. Vor vieledlen Recken formulierte Hochmeyster Hadamar von Laaber den Sinn solch ritterlichen Daseins: „Es ist kein romantisches Getue, sondern ernsthafter Versuch, das leben zu bewältigen, es durch Erkenntnisse und Erfahrungen der mittelalterlichen Symbolwelt zu bereichern und zu erweitern in eine andere sonst nicht zugängliche Dimension.“
  
  
Mit Fanfarenstößen und dem Mittelalter nachempfundener Pracht beginnt das Generalkapitel am 29. Tag im Herbstmond, Glock 14.30 Uhr, im Historischen Rathaus-Saal. Die „verehrten Gäste und hohe Corona“ werden vom Zeremonienmeyster Heinrich von Hohenfels gebeten, seßhaft zu werden, Dann marschieren unter dem Jubel der Fanfaren die edelsten der Edlen mit ihren Farben ein. Und als Burghauptmann Konrad von Riedenburg gemeldet hat, alle Tore seien verschlossen, die Mauern bewacht, das Generalkapitel konne ungefährdet tagen, begrüßt Haus- und Burgherr Jorg der Sattelboger die hochedle Festversammlung. Nach feierlichem Lichterspruch, Kapitelweihe und -eroffnung stimmen die Recken, musikalisch accompaniert von Burgmusicus Harro von Jochenstein, das Eroffnungslied an.
  
Dann tritt als erster Höhepunkt Hochmeyster Hadamar von Laaber an die Rostra und hebt zu seiner Festrede an, in der es vor allem um Rechtfertigung und Berechtigung der Ritterbünde in heutiger Zeit geht. Diese Frage immer wieder neu zu erortern und zu klären sei neben Geselligkeit und Unterhaltung Hauptgrund auch dieser Rittertage in Strupinga. Der ritterliche Hoch- und ehemalige Bürgermeister von Ratisbona beklagt dann ausführlich die heutige Zeit, den Verlust der Mitte und die daraus resultierende Raubmord-Zivilisation, in der Vorbilder, Eliten und Adeligkeit der Gesinnung abgeschafft worden seien. Dieser Misere stelle der Ritterbund die hohen ethischen Werte mittelalterlichen Rittertums entgegen. Und alle Zweifler am Tun erwachsener Männer in Kostümen im Herbstmond 1900 und dazue 90 werden belehrt: „Nicht das romantisierende Spiel mit Ritterkleid und Rittergehabe ist es, das uns fasziniert, sonder eine symbolerfüllte Zeit, deren Betrachtung und Reflexion auch uns helfen konnte, ein Leben zu meistern, das hoch über der Forderung der äußeren Leiblichkeit steht und direkt verweist auf die Mitte des Lebens.“
  
Nicht Ulk, sondern Elite!

Die Ritterbünde seien keine Vereine, die der Unterhaltung, der Ablenkung und Geselligkeit alleine dienten, unterstreicht der Hochmeyster und präzisiert, es gehe um etwas Besonderes, etwas Eigentümliches, etwas, das Ritter aus der Masse ihrer Mitmenschen heraushebe, etwas, was mit Elite bezeichnet werden konnte: „Auf den herrlichen Mannestugenden der ritterlichen Vergangenheit beruht unser sittlicher Ernst und unsere Bestrebung.“

Ritterbrudertum sei dabei nicht irgend ein leeres Wort, sondern bedeute brüderliche Einsicht, brüderliches Verständnis füreinder und miteinander, brüderliche Hingabe an ein gemeinsames Ziel. Die Qualität profaner Alltagsfreundschaften müsse weit übertroffen werden, fordert der Hochmeyster und definiert noch einmal das Ziel: „Streben nach hoher Sittlichkeit, die uns zum Adel der Gesinnung in Wort und Tat führen soll.“

  
Tadelloser Charakter!

Auch des Freistaats oberster Ritter im Kampf für eine saubere Umwelt, Alfred Dick, verweist auf die Anziehungskraft des Rittertums, die nicht allein in Burgen und Waffen liege, sondern im tadellosen, gradlinigen und stolzen Charakterbild des Ritters. Auf seine Treue und Verläßlichkeit, auf seine Zucht und seine Ehre, aber auch auf seine Fairneß habe sich der Kaiser verlassen müssen. Walther von der Vogelweide sei ein hellhoriger Mahner seines Standes gewesen, habe sich kritisch mit der Wehrpolitik der Reichsfürsten, dem Verhältnis zu kirchlicher und weltlicher Macht und mit dem weltpolitischen Engagement des europäischen Adels im Heiligen Land auseinandergesetzt. Walthers ritterliche Wehklage und seine Geschellschaftskritik ergreifen nach den Worten des Staatsministers auch heute noch Partei für das politisch Saubere, Solide und Vernüfntige: „Vor allem würde er heute unsere Ritterlichkeit auch gegenüber der bedrohten Umwelt fordern“, interpretiert Dick und erinnert an die mittelalterliche Lyrik mit ihrem Lob für „heie und walt“, „bluomen und gras“, „grüenem kle und liljen“ etc. Ohne ritterliche Fairneß im Umgang mit Natur und Umwelt sei diese über kurz oder lang in Frage gestellt. Der Minister konstatierte abschließend: „Ich weiß mein Anliegen angesichts der Wert- und Ordnungsvorstellungen, zu denen der Deutsche Ritterbund sich bekennt, bei Ihnen in guten Händen.“

  
„Ehre für unsere Stadt“

Wie schon beim morgentlich-festlichen Rathaus-Empfang unterstrich der Oberbürgermeister  seine Wertschätzung gegenüber den Rittern. Für die Stadt Straubing sei es eine Ehre, daß der Deutsche Rittertag bereits zum dritten Mal in ihren Mauern zelebriert werde. Als politiker spreche er allen Mitgliedern Dank dafür aus, daß sie Werte wie Ritterlichkeit, Liebe zur Heimat, Freundschaft und Brüderlichkeit in den Mittelpunkt ihrer Anliegen stellten. Ein lebendiges Beispiel sei der Größmeyster Jorg der Sattelboger, der über mehrere Jahrzehnte den Bürgern gedient habe - manchmal sogar unter Einsatz des eigenen Lebens.

Auch das Streben einzelner oder von Gruppen, sich als Elite zu installieren, befand der OB lobenswert, schränkte allerdings ein, das gelte nur, wenn sich Elite als Adel des Geistes verstehe und sichtbar Beispiel gebe für Brüderlichkeit und Ritterlichkeit. Den wackeren Recken und ihren Anführern versicherte der Oberbürgermeister: „Sie sind in unseren Mauern immer herzlich willommen.“


Innenhof des Herzogschloßes zu Straubing
  
Für eine bessere Welt

Helmut von Wolkenstein übermittelte dann noch die Grüße aller Recken aus der Ostmark und versicherte: „Hier in Straubing haben wir Freundschaft, Herzlichkeit und Brüderlichkeit gespürt.“ Der Wolkensteiner appellierte an die hohe Corona osterreichischer und deutscher Ritterbündler, die ritterlichen Ideen in die Welt hinauszutragen und daran mitzuarbeiten, sie ein wenig besser zu machen.

Nach dem Ehrentrunk aus prunkvollem pokal, den Haubold von Kolb zu Heilsberg weihte, und nach dem Totengedenken, für das sich die Ritter „von ihrem Steiß“ erhoben, klang das Generalkapitel mit Renaissance-Blockfloten, Krummhornern, Fideln und Schellen - gespietl vom Agnes-Bernauer-Ensemble - sowie frohlich-getragenen Nürnberger Tänzen von 1601 aus.

  
Zeitungsbericht Straubinger Tagblatt vom 1. Oktober 1990
 
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