Deutscher Rittertag

vom 20.- 22. Tag im Herbstmond

A.D. 1900 und 74 dazue

auf Burg Falkenfels

zue Strupinga

 

 

 

Pressebericht  Straubinger Tagblatt vom 23. September 1974

Ritterliche Tugenden auch heute noch gültig

700 Mitglieder des Deutschen Ritterbundes und Gäste aus Österreich zum Deutschen Rittertag in Straubing

 

Miniaturen aus der Manessische Liederhandschrift

 

Für die Mitglieder der zahlreichen deutschen und österreichischen Ritterbünde sei entscheidend, daß auch heute noch die ritterlichen Tugenden Freundschaft, Treue, Bruderliebe, Tapferkeit, Verehrung und Achtung der Frauen sowie Wohltätigkeit Geltung hätten, sagte am Samstagnachmittag während des Generalkapitels des Deutschen Ritterbundes in der Gäubodenhalle der Bundesrat des Ritterbundes. Diese Tugenden seien Leitbilder in der historisch-ritterlichen Zeit gewesen und seien es auch heute noch. Sie könnten als Leitbilder die Grundlage für eine wahrhaft soziale Gesinnung abgeben. Dies sind Ziele und Aufgaben, die sich die in den Ritterbünden zusammengeschlossenen Mitglieder gestellt hätten. Zum Deutschen Rittertag waren rund 700 Besucher aus der ganzen Bundesrepublik und auch aus Österreich gekommen.

 

Miniaturen aus der Manessische Liederhandschrift

 

 

Mit einem Begrüßungsabend am Freitag im Hotel “Gäubodenhof”, in dem der “Falkenfelser Ritterbund zu Straubing” seine “Burg” hat, hatte der Rittertag begonnen. Am Samstagvormittag dann nahm Oberbürgermeister Ludwig Scherl die Gelegenheit, die Großmeyster des Ritterbundes in der Gäubodenstadt willkommen zu heißen. Nach dem späteren Großmeysterkonvent, in dem verbandsinterne Fragen erörter wurden, fand dann am Nachmittag als Hauptereignis das “Generalkapitel des Ritterbundes statt, zu dem 20 deutsche Ritterbünde ihre Delegierten entsandt hatten und an denen auch Vertreter von 16 österreichischen Ritterbünden teilnahmen. Außerdem waren auch viele “Burgfrauen und Burgmaiden” gekommen.


Zahlreiche Ehrengäste

Eingeleitet durch Festfanfaren des Fanfarenzuges des Agnes Bernauer-Festspielvereins begann dann der Einzug der Großmeyster. Landmeyster und Landkomture in die für diesen Zweck festlich geschmückte Gäubodenhalle. Ihnen schlossen sich die Großkanzler und Hochmeyster an. Der Oberbürgermeister wurde ebenso mit einem Ehrengeleit - dabei auch die “Bernauerin” - in die Halle geleitet. Selbst ein Vertreter der bayerischen Staatsregierung nahm am Generalkapitel teil. Der Oberbürgermeister ließ anschließend an die beiden Hochmeyster einen Willkommenstrunk überreichen. Dann hieß der Großmeyster des gastgebenden Falkenfelser Ritterbundes die Gäste willkommen. Unter ihnen den bayer. Staatssekretär, den Oberbürgermeister, den Landrat, Vertreter der Bundeswehr, Vertreter der Deutschen Burgenvereinigung, des Historischen Vereins, des Agnes-Bernauer-Festspielvereins, der Schlaraffia und der Germania. Danach sprach der Vertreter der bayer. Staatsregierung unter dem Motto “Menschlichkeit als Aufgabe” zu der Versammelten Menge.


Ritterliche Haltung gefordert.

Nach den folgenden Begrüßungsansprachen des Hochmeysters des Deutschen Ritterbundes und des österreichischen Ritterbundes, wurde der Festvortrag über “Ritterbund in unserer Zeit” vorgetragen. Als Voraussetzung für die Zugehörigkeit zu den Ritterschaften sei eine brüderliche Einstellung zum Gleichgesinnten, ein humanes Weltbild in Achtung vor allem Leben und Hinwendng zum Mitmenschen nach dem Ethos der Nächstenliebe notwendig. Dazu gehöre auch ehrliches Bemühen um Verständnis für die Meinung des Anderen, wobei Vortrags- und Diskussionsthemen über konfessionelle Religionsauffassungen und parteipolitische Meinungsansprüche ausgeschlossen seien. Eine ritterliche Haltung im Verkehr mit den Mitmenschen im gesellschaftspolitischen Alltag sowie in der ganzen Lebensführung sowie die Bereitschaft aneinder zu lernen, sich aber nicht belehren zu wollen, sei nötig. Wer zu einem Ritterbund komme. solle ein in etwa festgefügtes Weltbild haben, müsse charakterlich entwickelt sein und den Willen zur Freundschaft mitbringen. Die gesellschaftliche Stellung sowie die Einkommensverhältnisse seien keine Kriterien für die Aufnahme. Wohl aber bedürfe es des Wunsches und Willens, die Mühen des Alltages zu vergessen, ernster Besinnung Raum zu geben und fröhliche Stunden unter Freunden zu verleben. Die aktive Teilnahme an Kurzweil und Unterhaltung sowie ein wenig Liebe zur Romantik, sollten von jedem, der in einen ritterlichen Freundeskreis eintrete, mitgebracht werden.

Immer wieder durch festliche Musik eines Bläserkreises des Collegium Musicum unterbrochen, folgten Ehrungen langjähriger Mitglieder des Deutschen Ritterbundes, der Ehrentrunk und Gedenken an die verstorbenen “Recken” der verschiedenen Bünde.

Am Samstagabend fand ebenfalls in der Gäubodenhalle ein Festabend statt, dessen Beginn zunächst mit einem niederbayerischen Folkloreabend gestaltet wurde und später rein dem geselligen Beisammensein mit Tanz bis in die frühen Stunden des Sonntag diente. Gestern vormittag trafen sich die Mitglieder noch einmal im Hotel Gäubodenhof zu einem Frühschoppen, bis dann kurz nach Mittag die Heimreise angetreten wurde.

Pressebericht  Straubinger Tagblatt vom 23. September 1974

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